Extreme - Carpfishing
  Richtig Füttern
 






Große Klasse

Viele Karpfenangler füttern nach dem Motto: Viel Futter gleich viel Fisch. Wir gehen anders vor. Wir füttert mit wenigen, aber großen Boilies. Klasse-Fänge geben uns und unserer Strategie Recht.

 

Bei meinen Spaziergängen um den See höre ich häufiger die Klagen erfolgloser Karpfenangler: „Jetzt habe ich so viel gefüttert und trotzdem nichts gefangen!“

Grundsätzlich geht man als Friedfischangler davon aus, dass Futter die Fische an den Platz lockt und zum Fressen verleitet. Dabei macht der Futterneid die Fische unvorsichtig, und somit sind sie leichter zu fangen. Ausgehend von dieser Annahme folgern viele Angler, dass sich mit viel Futter auch viele Karpfen fangen lassen.

Aber oft widerlegt die Praxis diese Theorie. Das Einbringen von Futter in ein Gewässer lässt sich eben nicht auf eine so simple Formel von Ursache und Wirkung reduzieren.

Beim Füttern sollte man unbedingt die Fischdichte und die Fischarten des Gewässer bedenken. In kleinen, stark besetzten Vereinsgewässern gibt es oft viele Karpfen, aber auch viele Weißfische. Wendet man hier die oben beschriebene „Masse-Formel“ an, ergibt sich folgende Situation: Die große Futtermenge lockt viele Fische an, besonders Weißfische und kleine Karpfen. Dass ein Großkarpfen unseren Köder nimmt, bevor einer der zahl­reichen klei­neren Fische ihm diesen wegschnappt, ist eher unwahrscheinlich. Man wird also hauptsächlich kleine, von den meisten Karpfenanglern unerwünschte Fische fangen.

Keine Kleinen
Aber so fängt man wenigstens viele Fische in kurzer Zeit, mag nun manch einer denken. Doch selbst das trifft nur so lange zu, wie man alleine an diesem Gewässer füttert. Wenn weitere Angler ebenfalls große Mengen füttern, verteilen sich die Fische auf die Futterplätze, und das eigene Ergebnis wird deutlich schlechter ausfallen.

Futter-Menge und Aufwand stehen in keinem günstigen Verhältnis mehr zum Fangergebnis. In einem Gewässer mit vielen Kleinfischen sollte man eine andere Strategie anwenden. Man muss versuchen, selektiv zu fischen, das heißt, die unerwünschten Kleinfische müssen ausgeschaltet werden. Das gelingt am besten mit besonders großen und harten Ködern. Unser Futtermaterial muss so beschaffen sein, dass es die Weißfische nur schwer fressen können: Stippfutter, Mais oder Kichererbsen sind ungeeignet.

Man greift besser auf große Boilies zurück, die weniger attraktiv für Kleinfische, aber desto anziehender für große Karpfen sind. Unter großen Boilies verstehe ich Kugeln in Größe eines Tischtennisballs oder sogar noch größer. Diese Köder halten Weißfischen stand und ermöglichen es dem Angler, Karpfen unter 20 Pfund relativ sicher auszusortieren.


Ich muss zugeben, dass auch ich am Anfang Bedenken hatte, einen Riesen-Boilie anzuködern. Im Laufe der Zeit habe ich aber feststellen können, dass das Durchschnittsgewicht meiner Fische stieg. Man sollte bei den großen Kugeln allerdings darauf achten, dass man keine zu kleinen Haken benutzt und das Haar nicht zu kurz bindet. Sonst kann der Haken nämlich nicht sicher ins Karpfenmaul eindringen.

Für alle, die sich einfach nicht mit großen Boilies anfreunden können, gibt es eine fängige Alternative, den sogenannten Schneemann. Dabei handelt es sich um eine Kombination aus einem Pop-up und einem sinkenden Boilie am Haar, oder um zwei sinkende Boilies. Meine Futtertaktik steht in krassem Gegensatz zu dem oft praktizierten Anfüttern nach dem Prinzip Masse. Ich füttere ­kleinere Mengen von 1 bis 2 Kilo großer ­Boilies auf einer Fläche von mehreren Quadratmetern. Solch ein Futterplatz ist uninteressant für Kleinfische, und es finden sich auch keine größeren Trupps von Karpfen ein. Der Futterplatz wird dagegen immer wieder von einzelnen aktiv nach Futter suchenden Karpfen aufgefunden. Treffen mehrere Fische an dem Platz ein, verteilen sie sich bei der Suche nach den Boilies. Dadurch wird verhindern, dass ein Trupp erfahrener Großfische nach einem Biss erschrocken das Weite sucht. So kann man auch mit wenig Futter mehrere große Fische fangen.

Den Platz über einen längeren Zeitraum regelmäßig zu füttern, kann den Erfolg durchaus steigern. Die Karpfen akzeptieren die Stelle als natürlichen Fressplatz und verlieren jede Scheu vor Futter und Hakenköder. Sie beißen oft sogar unmittelbar, nachdem man den Köder ausgeworfen hat.

Der größte Fehler, den man nun begehen kann, besteht darin, sich von dem Fangerfolg dazu verleiten zu lassen, den Platz zu oft zu beangeln. Besonders die großen Fische reagieren extrem sensibel auf stark befischte Plätze und verlassen diese endgültig. Da hilft dann selbst die raffinierteste Futtertaktik nicht mehr.

Meine Methode erweist sich nicht nur an stark besetzten Vereinsgewässern als erfolgreich. Denn auch in Gewässern mit geringer Fischdichte ist es völlig unsinnig, große Mengen anzufüttern. Die wenigen Karpfen sind gar nicht in der Lage, große Futtermengen zu vertilgen. Vielmehr türmt man einen Futterberg auf, der einen Misserfolg geradezu garantiert. Außerdem können die Futtermassen, wenn sie nicht gefressen werden, die Wasserqualität des Gewässers beeinträchtigen. Auch hier bringt weniger Füttern meistens mehr Erfolg.
Jahreszeiten bedenken
Ähnliches gilt für die vielen überfischten Gewässer im In- und Ausland. Die Fische haben an zahlreichen Seen schon reichlich Erfahrung mit Anglern gesammelt, und ein Platz mit viel Futter ist für sie wie ein Warnsignal. Solche Plätze werden von den Karpfen gemieden. Moderates aber regelmäßiges Anfüttern bringt auch hier eher Fänge als wahlloses Abladen riesiger Mengen Boilies oder Partikel.

Ein anderer Faktor, der von vielen Anglern bei ihren Fütter-Aktionen nicht ausreichend bedacht wird, ist die Jahreszeit. Besonders in der ersten Jahreshälfte ist der Stoffwechsel der Fische aufgrund der niedrigen Wassertemperatur noch sehr niedrig. Sie nehmen dann keine großen Mengen an Nahrung auf. Selbst in Gewässern mit höherem Fischaufkommen bleibt dann bei Massen-Fütterung der Großteil des Futters am Grund liegen. Die Chancen auf einen erfolgreichen Ansitz sinken dramatisch. So lange die Temperaturen niedrig sind, gilt deshalb um so mehr: Weniger Futter-Masse bringt mehr Klasse-Fänge.
 
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